Das Rocker-Team

Klaus Lemke (Regie)

…ist legendär und sein Ansatz radikal. Klaus Lemkes Filme funktionieren auch mit kleinem Budget, ganz ohne Sponsoring oder professionelle Schauspieler:innen – Eine konsequente Verweigerung des Mainstreams. Die Filme sollen ungeschönte Wirklichkeit, „echte Menschen“, eben die Geschichten aus dem Leben zeigen. Seit Mitte der 1960er Jahre dreht der Filmemacher mindestens einen Film pro Jahr. Er zählte zu der „Neuen Münchener Gruppe“ und drehte aus diesem Impuls 1965/66 sechs Kurzfilme. Sein erster Langspielfilm „48 Stunden Acapulco“ (1967) folgt einem Aussteiger vom Schliersee nach Rom und Mexico. 1968 erhält Lemke hierfür einen Bambi. Lemkes erster Fernsehfilm „Brandstifter“ (1968), der direkt auf den Berliner Kaufhausangriff von Gudrun Ensslin und Andreas Baader reagierte, sorgte für einen Skandal. Dass Lemke, der zwar in München wohnt, eine ganz besondere Verbindung zu Hamburg hat und umgekehrt, zeigt sich bis heute in seinem Filmschaffen. Nach seinem Kultfilm „Rocker“ (1971) folgte sein zweiter Hamburgfilm „Paul“ (1974) in dem abermals Paul Lyss mitspielt. Anfang der 1990er Jahre kehrt Lemke sich verstärkt dem Hamburger Rotlichtviertel zu und dreht „Die Ratte“. Besonderes St. Pauli ist eine häufig wiederkehrende Location seiner Geschichten. So spielen auch „Träum weiter, Julia!“ (2005) und „3 Minuten Heroes“ (2005) in der Elbmetropole. 2008 gelingt ihm mit „Dancing Devils“ wieder ein Hamburg-Film mit den klassischen Themen: Liebe, Rache, Einsamkeit und Rache. Wie so häufig beginnt der Film abermals mit einer Entlassung aus dem Gefängnis an: Die Hauptfigur ist dieses Mal allerdings eine junge Frau, die nach ihrer Freilassung versucht im Hamburger Rotlichtviertel einen neuen Weg zu finden. Lemke eckt an. Das Filmfest München widmete ihm 2014 erstmals eine Sonderreihe als Hommage, nachdem seine Filme jahrelang ignoriert wurden. In den folgenden Jahren realisierte er weiterhin Filme, die meisten davon Low-Budget-Produktionen: die Gaunergeschichte "Kein großes Ding" (2014), die stürmische ménage-à-trois "Unterwäschelügen" (2016), die selbstreflexive Filmemacher-Story "Making Judith!" (2017), die Girl-Power-Story "Bad Girl Avenue" (2018) und "Neue Götter in der Maxvorstadt", die sich auf die Kunst- und Modeszene konzentrierte. Die letzten drei Filme wurden alle in unmittelbarer Nähe von Lemkes Wohnung in München gedreht. Der unermüdliche Filmemacher lässt sich weder von persönlichen noch von äußeren Umständen stoppen: Wenige Monate vor Lemkes 80. Geburtstag feiert „Ein Callgirl für Geister“ Premiere. Im Corona-Sommer 2020 dreht er seinen neusten Film „Berlin Izza Bitch!“ direkt nach dem ersten Lockdown.

 

Bild v.l.n.r.: Hans-Jürgen Modschiedler, Klaus Lemke, Gerd Kruskopf bei einer ROCKER-Vorstellung zur "Retrospektive Klaus Lemke" im Metropolis Kino im Mai 2003

Gerd Kruskopf (Hauptdarsteller)

…unvergessen, auch wenn (oder gerade weil) er nicht die klassische Schauspielerkarriere eingeschlagen hat. Man munkelt er ist KZ-Mechaniker und war gut mit der Rockerszene bekannt, die den Film erst so lebendig macht. In seiner Rolle als Anführer der Biker-Gang hat er Sätze geprägt wie „…du bist doch'n Kerl, mach dich ma' grade!" oder "Bier, doppelt Cola-Rum und für ihn - weiß ich nich, was er trinkt!“

Hans-Jürgen Modschiedler (Hauptdarsteller)

…wurde als 14-Jähriger Schüler von der Straße weg für den Film engagiert. Klaus Lemke sah ihn zufällig eine Straße in St. Pauli überqueren und wusste, dass Modschiedler der richtige ist. Er verkörpert Mark, der sich nach dem Tod seines Bruders Uli (Paul Lyss) mit dem gerade aus der Haft entlassenen Gerd anfreundet. Leicht gewesen ist es sicherlich nicht für den jungen Darsteller zwischen den ganzen raubeinigen Rockern und harten Sprüchen, aber, dass er sich die Butter auch nicht vom Brot nehmen lässt, zeigt sich in etlichen Filmszenen.

Bernd Fiedler (Kamera)

… hat mit Leichtigkeit und Improvisationsgeschick die 35mm-Kamera geführt. An seiner Seite, die leider schon verstorbene Kameraassistentin Anna Harnisch. Fiedler gehörte zum ersten Jahrgang der deutschen Film- und Fernsehakademie 1966 und zu den 18 Studierenden, die aufgrund politischer Auseinandersetzungen die Akademie verlassen müssen. Hinterher arbeitete der Kameramann sowohl mit Berliner, als auch mit Münchener Filmschaffenden zusammen. Unteranderem für die bekannten Filme „Rote Sonne“ (R: Rudolf Thome, 1969), „Chronik der laufenden Ereignisse“ (R: Peter Handke, 1971) und „Ein großer grau-blauer Vogel“ (R: Thomas Schamoni, 1969) war Fiedler tätig. Seit langer Zeit übernimmt der vielseitige Filmschaffende außerdem die Kameraarbeit für die experimentellen Kurzfilme des Hamburger Filmemachers Franz Winzentsen. Bernd Fiedler arbeitet außerdem als Drehbuchautor, Dramaturg, Produzent und Regisseur.

Martin Müller (Regie-Assistenz)

…ist ein Tausendsassa und ist mit fast allen Bereichen in der Filmarbeit vertraut, ob als Darsteller, Regisseur, Regie-Assistent, Drehbuchautor, Schnitt- oder Tonmeister. Der Filmschaffende war seinerzeit der Jüngste in der Münchner Gruppe und ging noch zur Schule als es in Schwabing so richtig losging. Viele Jahre war Müller Regie-Assistent bei Klaus Lemke.

 

Martin Müller begrüßen wir nun auch schon zum zweiten Mal beim Event, da er bereits der Tonmeister bei Wenders DER AMERIKANISCHE FREUND war.